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physik modern Eine öffentliche Vortragsreihe
der
Universität München (LMU) |
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Physik ist Ursprung und Grundlage aller Naturwissenschaften und
technologischer Entwicklungen. Sie erforscht die Gesetze der Natur und spannt
den Bogen von Quanten und Quarks, den kleinsten Teilchen, bis hin zu Quasaren,
den rätselhaften und am weitesten entfernten Strukturen des Universums. |
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Nie zuvor hat sich unser physikalisches Weltbild so rasant entwickelt wie heute, am Wendepunkt zum 3. Jahrtausend. Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen beantworten Fragen von gestern und öffnen neue Herausforderungen für morgen. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen; die Faszination, die Möglichkeiten und die Notwendigkeit zu weiteren Vorstößen in unerforschtes Neuland sind ungebrochen. |
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  Die Vorträge der Reihe physik modern finden an der Ludwig-Maximilians-Universität statt, Schellingstrasse 4, Hörsaal E7 und beginnen jeweils um 19 Uhr (c.t.). Im Anschluss an jeden Vortrag ist eine Diskussion vorgesehen, bei der Fragen an den Sprecher gestellt werden können. Darüber hinaus besteht natürlich auch die Gelegenheit zum ausführlichen persönlichen Gespräch. |
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Die Vorträge: Titel und Termine im Sommersemester 2003
| Dienstag, 15. April 2003 | |
| Dr. Peter Köpke (Meteorologisches Institut der LMU) |
UV-Strahlung - von der extraterrestrischen Sonne bis zum Sonnenbrand |
| Dienstag, 13. Mai 2003 | |
| Dr. habil. Georg Raffelt (MPI für Physik) |
Quantenphysik und Kosmologie: Das Universum als Spielball seiner kleinsten Teilchen |
| Dienstag, 3. Juni 2003 | |
| Prof. Dr. Friedrich Frey (Institut für Kristallographie und Angewandte Mineralogie der LMU) |
Von Lambda-Sonde bis Mars-Meteorit: Strukturforschung mit Neutronen- und Röntgenstrahlung |
| Dienstag, 8. Juli 2003 | |
| Prof. Dr. Otmar Biebel (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Mit dem Urknall im Teilchenphysiklabor dem Ursprung der Masse, Materie-Kraft-Symmetrie und zusätzlichen Dimensionen auf der Spur |
| Vortrag zum Download (pdf, 7.3 MB) | |
Themen der vorangegangenen Semester:
| Dienstag, 12. Dezember 2000 | |
| Prof. Dr. Wolfgang Zinth (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Die ersten Schritte der Photosynthese - mit ultraschnellen Reaktionen zur optimalen Energiewandlung |
| Dienstag, 16. Januar 2001 | |
| Dr. Matthias Rief (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Molekulare Maschinen |
| Dienstag, 6. Februar 2001 | |
| Prof. Dr. Paul Tavan (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Biophysik Neuronaler Netze: Hin zu wahrnehmenden, denkenden und selbständig handelnden Automaten? |
| Dienstag, 24. April 2001 | |
| Prof. Dr. Volker Schönfelder (Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik) |
Der Himmel im Lichte kosmischer Gammastrahlung: Was haben wir vom Compton-Gammastrahlen-Observatorium gelernt? |
| Dienstag, 8. Mai 2001 | |
| Prof. Dr. Wolfgang Hillebrandt (Max-Planck-Institut für Astrophysik) |
Licht vom Anfang der Welt: Können Sternexplosionen das Universum vermessen? |
| Dienstag, 19. Juni 2001 | |
| Dr. Eckart Lorenz (Max-Planck-Institut für Physik - Werner-Heisenberg-Institut) |
Strahlung höchster Energie aus dem Weltall - Ein Werkzeug zur Erforschung kosmischer Beschleuniger |
| Dienstag, 10. Juli 2001 | |
| Prof. Dr. Joachim Trümper (Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik) |
Supernovae und Neutronensterne - Röntgenstrahlen berichten von sterbenden Sternen |
| Dienstag, 23. Oktober 2001 | |
| Prof. Dr. Harald Weinfurtner (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Quantenkryptographie und Teleportation |
| Dienstag, 13. November 2001 | |
| Prof. Dr. Martin Faessler (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Expedition zur inneren Grenze der Welt: Elementarteilchenphysik |
| Dienstag, 11. Dezember 2001 | |
| Prof. Dr. Herbert Wagner (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Von Heisenberg über Kopenhagen zum Quantencomputer |
| Dienstag, 15. Januar 2002 | |
| Prof. Dr. Julius Wess (Max-Planck-Institut für Physik und Ludwig-Maximilians-Universität) |
Symmetrien und die fundamentalen physikalischen Gesetze |
| Dienstag, 5. Februar 2002 | |
| Prof. Dr. Theodor W. Hänsch (Max-Planck-Institut für Quantenoptik und Ludwig-Maximilians-Universität) |
Ultrakalte Materie und Atomlaser |
| Dienstag, 16. April 2002 | |
| Prof. Dr. Dieter Habs (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Kristalline Ionen- und Elektronenstrahlen |
| Dienstag, 14. Mai 2002 | |
| Dr. Hans-Stephan Bosch (Max-Planck-Institut für Plasmaphysik) |
Die Energie der Sterne - Auch auf der Erde nutzbar? |
| Dienstag, 11. Juni 2002 | |
| Prof. Dr. Wolfgang Zinth (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Proteinfaltung - Auf dem Weg zu einem Verständnis eines lebenswichtigen Vorgangs |
| Dienstag, 9. Juli 2002 | |
| Dr. Ralph Neuhäuser (MPI für extraterrestrische Physik) |
Suche nach coolen Begleitern - Wie entstehen braune Zwerge und Planeten? |
| Dienstag, 22. Oktober 2002 | |
| Prof. Dr. Christian Kiesling (MPI für Physik und LMU) |
Neuronale Netze, Künstliche Intelligenz, und die Suche nach den elementaren Bausteinen der Materie |
| Dienstag, 12. November 2002 | |
| Prof. Dr. Klaus Witte (MPI für Quantenoptik) |
Erzeugung von MeV-Teilchenjets durch relativistische Laser-Plasma-Wechselwirkung |
| Dienstag, 10. Dezember 2002 | |
| Prof. Dr. Christoph Bräuchle (Ludwig-Maximilians-Universität) |
Beobachtung eines einzelnen Virus auf seinem Infektionsweg in die lebende Zelle |
| Dienstag, 14. Januar 2003 | |
| Prof. Dr. Herbert Walther (MPI für Quantenoptik und LMU) |
Quantenphänomene einzelner Atome |
| Dienstag, 4. Februar 2003 | |
| Prof. Dr. Jochen Feldmann (Ludwig-Maximilians-Universität) |
NanoScience meets Photonics: ein neuer nano-optischer Baukasten |
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Zum Inhalt der Vorträge:
Prof. Dr. Otmar Biebel:
Mit dem Urknall im Teilchenphysiklabor dem Ursprung der Materie, Materie-Kraft-Symmetrie und zusätzlichen Dimensionen auf der Spur
Die physikalischen Prozesse zu verstehen, die beim Urknall von fundamentaler Bedeutung für die Entstehung unseres Universums waren, ist eines der Ziele der Hochenergie-Teilchenphysik. Riesige Teilchenbeschleuniger dienen dazu, im Labor die Verhältnisse herzustellen, die eine millionstel Mikrosekunde nach dem Urknall herrschten. Dazu werden auf höchste Energien beschleunigte Teilchen zur Kollision gebracht, z.B. Elektronen auf Positronen oder Protonen auf Antiprotonen. Ist die Energie in solchen Kollisionen hoch genug, können dabei die Teilchen entstehen, deren Existenz aufgrund theoretischer Überlegungen vermutet wird, z.B. das Higgs-Teilchen. Indem sich das Higgs-Teilchen an andere Teilchen `bindet', erhalten alle Teilchen eine Masse, je nachdem wie stark die Bindung ist. Weiterhin werden Anzeichen für eine Symmetrie zwischen den vier bekannten Wechselwirkungskräften und den Materieteilchen, die so genannte Supersymmetrie, erhofft. Damit würde eine Zusammenführung von drei der vier Kräfte auf einen gemeinsamen Ursprung gelingen. Und falls zusätzliche mikroskopische Raumdimensionen bei den Experimenten an diesen Beschleunigern sichtbar werden, sollten sogar Anzeichen einer Vereinigung aller vier Kräfte zu einer `Urkraft' beobachtbar sein. Aber erst mit erheblich leistungsstärkeren Beschleunigern könnte diese untersucht werden.
Prof. Dr. Otmar Biebel ist Professor an der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München. 
Dr. habil. Hans-Stephan Bosch:
Die Energie der Sterne- Auch auf der Erde nutzbar?
Es ist faszinierend, wie viel Energie in den Sternen produziert wird. Allein unsere Sonne erzeugt eine Leistung von 4 x 1020 Megawatt! Aber woher stammt diese Energie? In der Sonne verschmelzen je vier Wasserstoffkerne zu einem Heliumkern und dabei wird die Bindungsenergie, welche bei Atomkernen sehr hoch ist, frei gesetzt. Natürlich liegt die Idee nahe, die geschilderten Fusionsprozesse auch auf der Erde nachzuvollziehen. In nationalen und internationalen Kooperationen wird versucht, die Energiequelle der Sterne für unsere langfristige Energieversorgung zu nutzen. Im Vortrag werden nach einer Einführung in die Fusionsprozesse in den Sternen und auf der Erde die Probleme der Fusionsforschung beleuchtet und ihr aktueller Stand erläutert.
Dr. habil. Hans-Stephan Bosch arbeitet am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik. 
Prof. Dr. Christoph Bräuchle:
Beobachtung eines einzelnen Virus auf seinem Infektionsweg in die lebende Zelle
Mit Hilfe eines neue entwickelten bildgebenden Verfahrens ist
die Visualisierung eines
einzelnen Virus auf seinem Infektionsweg in eine lebende Zelle möglich
geworden.
Das Virus wird dabei mit nur einem fluoreszierenden
Farbstoffmolekül gelabelt,
um Störungen der Virus-Zellwechselwirkung auszuschliessen und
unter rein physiologischen Bedingungen arbeiten zu können.
Das Fluoreszenzsignal des
Labels wird über hochsensitive Einzelmolekülmikroskopie in
Echtzeit mit
hoher Orts- (40 Nanometer) und Zeitauflösung (10 Millisekunden)
verfolgt und dadurch die
Bahn des Virus
sichtbar gemacht.
So können die einzelnen Stadien einer Virusinfektion im Detail beobachtet
werden. Man sieht z.B. das einzelne Virus auf die Zellmembran zuwandern,
die
Bindung mit dem Rezeptor an der Zelloberfläche eingehen, das Durchdringen
der
Zellmembran, die Diffusion des im Endosom verpackten Virus sowie das
Freikommen des Virus in das Cytoplasma der Zelle.
Auch der Transport der Viren mit Hilfe von Motorproteinen
zum Zellkern und letztlich die Niederlegung der DNA im Zellkern können im
Einzelnen studiert werden.
Die Arbeiten dienen
der Bekämpfung von Virusinfektionen und der Entwicklung von Viren als
Genfähren in
der Gentherapie. Zu dem Verfahren mit hohem Anwendungspotential in
Medizin und Pharmazie gibt es keine Alternativen.
Prof. Dr. Christoph Bräuchle ist Professor für Physikalische Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Prof. Dr. Friedrich Frey:
Von Lambda-Sonde bis Mars-Meteorit: Strukturforschung mit Neutronen- und Röntgenstrahlung
Röntgen- und Neutronenbeugungsdiagramme geben Einblick in Strukturen über einen weiten Längenbereich, von Makro- (cm/mm), über Meso- (0.1-1 mm) und Mikro- (100 nm -0.1 mm) Strukturen bis hin zu atomaren Strukturen auf der nm/pm Skala. Moderne Hochfluss-Neutronenquellen, wie der neue Forschungsreaktor FRMII in Garching, und brilliante Synchrotron- Strahlungsquellen erlauben den Einsatz beider komplementärer Methoden für die Aufklärung von Struktur-Eigenschaftsbeziehungen. Im Vortrag wird ein kleiner Streifzug durch jüngste Strukturforschungsarbeiten an eher "alltäglichen" bis zu "exotischen" Objekten, d.h. Festkörpern aus dem Syntheselabor und der Natur, gemacht.
Prof. Dr. Friedrich Frey ist Professor am Institut für Kristallographie und Angewandte Mineralogie der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Prof. Dr. Dietrich Habs:
Kristalline Ionen- und Elektronenstrahlen
Ionen- und Elektronenstrahlen haben einen breiten Anwendungsbereich; von der Ionenimplantation über Synchrotronlichtquellen bis hin zu Grundlagenforschung in der Kern- und Elementarteilchenphysik. Man ist dabei an immer besser fokussierbaren, immer energieschärferen Strahlen interessiert. In München ist es uns nun zum ersten Mal gelungen, kristalline Strahlen geladener Teilchen herzustellen, bei denen sich die Strahlteilchen wie in einem Kristall regelmäßig anordnen. Diese Strahlen sind nicht nur die bestmöglichen, sondern sie zeigen zusätzlich ganze neue Eigenschaften, da hier ähnlich wie beim Phasenübergang von Wasser zu Eis ein ganz neuer Aggregatszustand der Materie auftritt. In dem Vortrag wird der erste Nachweis solcher kristallinen Strahlen beschrieben, und es werden dann verschiedene Anwendungen diskutiert. Eine erstaunliche Vorhersage für einen kristallinen Elektronenstrahl ist, dass auf der Kreisbahn eines Ringbeschleunigers keine Synchrotronstrahlung mehr emittiert wird, weil sich die Abstrahlungsamplituden der verschiedenen Elektronen gegenseitig aufheben.
Prof. Dr. Dietrich Habs ist Professor an der Fakultät für Physik der Universität München.
Prof. Dr. Wolfgang Hillebrandt:
Licht vom Anfang der Welt: Können Sternexplosionen das Universum vermessen?
Supernovaexplosionen sind die bei weitem energiereichsten Ereignisse in
unserer kosmischen Nachbarschaft.
Sie sind für die Entstehung der meisten chemischen Elemente verantwortlich,
und sie bestimmen ganz wesentlich den Energiehaushalt der Materie zwischen den
Sternen.
Ihre aussergewöhnliche Leuchtkraft - im Maximum erreichen sie fast die
Helligkeit einer ganzen Galaxie - macht sie im Prinzip zu idealen Massstäben
für die Bestimmung unseres Abstands von den entferntesten Galaxien und damit
auch zur Festlegung kosmologischer Parameter, wie der Expansionsrate und der
mittleren Materiedichte des Universums.
Voraussetzung hierfür ist, dass sie alle genähert gleich hell sind und
wir sie deshalb als 'Standardkerzen' verwenden können.
Mit Hilfe spezieller Suchprogramme hat man inzwischen viele solcher weit
entfernter Supernovae identifiziert und auf diese Weise die derzeit wohl
zuverlässigsten Werte für das Alter des Universums und seine Struktur
bestimmt.
Doch die Ergebnisse waren sehr überraschend.
Wir scheinen in einem Universum zu leben, das wegen einer neuen unbekannten
Energieform beschleunigt expandiert.
Prof. Dr. Wolfgang Hillebrandt ist Direktor am Max-Planck-Institut für Astrophysik und Honorarprofessor an der Fakultät für Physik der Technischen Universität München.
Prof. Dr. Christian Kiesling:
Neuronale Netze, künstliche Intelligenz und die Suche nach den elementaren Bausteinen der Materie
Maschinelle - oder "künstliche" - Intelligenz ist ein sich rasant entwickelnder Zweig der
interdisziplinären Forschung, mit Beiträgen aus der Informatik, Biologie,
Physik und anderen.
Dabei hat sich gezeigt, dass die Abbildung der architektonischen Strukturen des menschlichen
Gehirns auf moderne Rechnersysteme ("Neuronale Netze") einen vielversprechenden neuen
Ansatz liefert.
Ähnlich dem menschlichen Vorbild lernen Neuronale Netze aus Beispielen,
"Programmieren" im herkömmlichen Sinne wird überflüssig. Vor allem sind es
Aufgaben aus
dem Bereich der Mustererkennung, die von solchen Systemen überraschend gut
gelöst werden
können.
Mustererkennung spielt auch beim Studium der mikroskopischen Struktur der
Materie eine
wichtige Rolle: In aufwändigen Beschleunigerexperimenten werden
Teilchenkollisionen
beobachtet, bei denen - ähnlich der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen -
die wenigen
"interessanten" Reaktionen vom einem überwältigenden Untergrund getrennt werden müssen.
Somit überrascht nicht, dass auch hier neuronale Rechnerstrukturen zur Anwendung kommen.
Beispielhaft für die äußerst komplexen Experimente in der Elementarteilchenphysik und für die
Interpretation der gewonnen Resultate wird ein Experiment am Deutschen Elektronen-
Synchrotron DESY in Hamburg vorgestellt, das die innere Struktur des kleinsten Bausteins der
Atomkerne, des Protons, mit dem größten Elektronen-Mikroskop der Welt, HERA (Hadron-
Elektron-Ring-Anlage), erforscht. Dort wird ein neuartiges Konzept zum Auslösen der
Detektorauslese ("Trigger") realisiert, das künstliche neuronale Netze - in ihrer Architektur
dem Vorbild des menschlichen Gehirns nachempfunden - in modernste Elektronik umsetzt und
so zur schnellen und effizienten Erkennung interessanter Elektron-Proton-Kollisionen
verwendet.
Im Vortrag werden die biologischen Grundlagen der Neuronalen Netze erklärt, ihre Abbildung
auf moderne Rechnersysteme vorgeführt und die praktische Nutzung dieser leistungsfähigen
Mustererkennungsmethode an einfachen Beispielen des täglichen Lebens und im
wissenschaftlichen Bereich erläutert.
Prof. Dr. Christian Kiesling ist Projektleiter am Max-Planck-Institut für Physik (Werner-Heisenberg-Institut) und apl. Professor an der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Dr. Peter Köpke:
UV-Strahlung - von der extraterrestrischen Sonne bis zum Sonnenbrand
Durch das Ozonloch und die Zunahme von Hautkrebs ist die solare UV-Strahlung und ihre bei stärkerer Exposition schädliche Wirkung in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Aber warum ist die UV-Strahlung, deren Energie nur wenige Prozent der Sonnenstrahlung ausmacht, so wichtig für verschiedene biologische Prozesse? Warum ist ihre Abhängigkeit vom Ozon so stark? Wie wirken die anderen Parameter der Atmosphäre? Wie ist die räumliche Verteilung der UV-Strahlung auf der Erde? Wie wird sich die UV-Strahlung in der Zukunft entwickeln? Was ist der von WHO und WMO postulierte UV-Index? Im Vortrag werden diese und andere Fragen beantwortet und der aktuelle Stand der UV-Forschung erläutert.
Dr. Peter Köpke ist Projektleiter am Meteorologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Dr. Eckard Lorenz:
Strahlung höchster Energie aus dem Weltall: Ein Werkzeug zur Erforschung kosmischer Beschleuniger
Unsere Erde ist permanent einem Bombardement durch intensive, energiereiche Strahlung und Teilchen aus dem Weltall ausgesetzt. Diese Teilchen sind sozusagen die Botschafter von kosmologischen Beschleunigern bzw. Höchstenergie-Teilchenprozessen (bis 10^20 eV), die in unserem Weltall stattfinden. Man vermutet, dass diese Beschleunigungsprozesse bei Sternbildungen, Sternentod oder im Umfeld von Schwarzen Löchern ablaufen. Bei einer vollständigen Beschreibung der Entwicklung unseres Universums müssen daher diese Prozesse mit eingeschlossen werden. Nach ersten verlässlichen Beobachtungen wird derzeit weltweit die Suche nach diesen kosmischen Beschleunigern intensiviert.
Dr. Eckard Lorenz ist Projektleiter am Max-Planck-Institut für Physik (Werner-Heisenberg-Institut).
Dr. Ralph Neuhäuser:
Suche nach coolen Begleitern - Wie entstehen braune Zwerge und Planeten?
Sterne entstehen durch gravitativen Kollaps interstellarer Gas- und Staubwolken. Dabei kommt es häufig zu Fragmentation, so dass sich Mehrfach-Sternsysteme bilden. Wegen Drehimpulserhaltung bildet sich eine zirkumstellare Scheibe, in der Planeten und vielleicht auch braune Zwerge entstehen können. Braune Zwerge nehmen eine Zwischenstellung ein: Da sie masseärmer als Sterne sind, können sie im Innern durch Wasserstoff-Fusion nicht so viel Energie erzeugen, wie sie außen durch Abstrahlung verlieren; doch sind sie massereicher als Planeten, die nicht einmal Deuterium verbrennen können. Sub-stellare Objekte, also braune Zwerge und Planeten, haben kühle Atmosphären und offerieren neue Fenster zum Studium bestimmter physikalischer Prozesse, die in Sternen nicht stattfinden. Was ist ein Planet? Selbst die Frage der Definition des Begriffs Planet ist umstritten, insbesondere die Frage, ob man Planeten und braune Zwerge nur bzgl. ihrer Massen oder auch bzgl. ihrer Entstehung voneinander abgrenzen sollte. Extra-solare Planeten wurden bisher nur indirekt detektiert. Nur durch direkte Beobachtung und Spektroskopie junger sub-stellarer Objekte kann man die Bedingungen studieren, die für ihre Entstehung relevant sind. Junge sub-stellare Objekte sind wegen anhaltender Kontraktion und dadurch gewonnener Energie noch relativ hell. Die direkte Detektion extra-solarer Planeten und ganzer Planetensysteme ist bei jungen nahen Sternen am wenigsten schwierig und wird jetzt gerade technologisch möglich. Die eindeutige Identifizierung eines leuchtschwachen Begleiters als Planet ist nur durch Kombination von Beobachtung und Theorie möglich, da man die beobachtete Helligkeit in eine Masse umrechnen muss. Es werden Beobachtungen mit verschiedenen Instrumenten und Teleskopen diskutiert (u.a. dem 8.2m VLT, dem 8.3m Gemini und dem Hubble Space Telescope), darunter auch solche, die mit adaptiver Optik gewonnen wurden.
Dr. Ralph Neuhäuser arbeitet am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik.
Dr. habil. Georg Raffelt:
Quantenphysik und Kosmologie: Das Universum als Spielball seiner kleinsten Teilchen
Nur der kleinste Teil der gravitierenden Masse des Universums besteht aus normaler Materie, die etwa als leuchtende Sterne und Galaxien am Himmel sichtbar ist. Der Hauptanteil von rund 95% besteht aus "dunkler Materie" und "dunkler Energie", deren physikalische Natur eines der größten astrophysikalischen Rätsel ist. Ganz neuartige Elementarteilchen sind wahrscheinlich ein Teil der Antwort, aber auch der leere Raum selbst scheint in Form einer "kosmologischen Konstanten" zum Masse-Energie-Inventar des Universums erheblich beizutragen.
Dr. habil. Georg Raffelt arbeitet am Max-Planck-Institut für Physik (Werner-Heisenberg-Institut).
Dr. Matthias Rief:
Molekulare Maschinen
Die Integrationsdichte von lebender Materie ist so hoch, dass menschliche Techniker vor Neid erblassen. Man denke nur daran, welche unglaublich vielfältigen Fähigkeiten schon eine Mücke besitzt. Ein Grund für solche komplexität auf engstem Raum sind die winzig kleinen molekularen Bauteile und Maschinen, die die Natur im Laufe der Evolution hervorgebracht hat. Im Vortrag werden einige dieser molekularen Motoren vorgestellt und physikalische Techniken erklärt, mit denen man einzelne Motoren bei der Arbeit beobachten kann.
Prof. Dr. Volker Schönfelder:
Was haben wir vom Compton Gammastrahlen-Observatorium gelernt?
Die Gamma-Astronomie erlebt derzeit eine Blütezeit. Das Compton
Gammastrahlen-Observatorium der NASA, das im April 1991 mit Hilfe der
Shuttle-Fähre ATLANTIS in eine Erdumlaufbahn gebracht wurde und über 9
Jahre in Betrieb war, hat die erste, vollständige Durchmusterung des
Gamma-Himmels durchgeführt und dabei eine Fülle neuer, interessanter
Entdeckungen gemacht.
Wir wissen jetzt, dass der Himmel eine grosse Zahl unterschiedlicher
gammastrahlender Objekte enthält.
Bei den Quellen handelt es sich vor allem um Pulsare, stellare schwarze
Löcher, Supernova-Überreste und aktive Galaxienkerne.
Hinter den geheimnisvollen Gammabursts, deren Natur wir erst in
allerjüngster Zeit - etwa 25 Jahre nach ihrer Entdeckung - auf die Spur
gekommen sind, verbergen sich die leuchtkräftigsten Objekte, die wir im
Universum kennen.
Prof. Dr. Volker Schönfelder arbeitet am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik.
Prof. Dr. Paul Tavan:
Biophysik Neuronaler Netze: Hin zu wahrnehmenden, denkenden und selbständig handelnden Automaten?
Der selbstbewusste menschliche Geist scheint sich der naturwissenschaftlichen Durchdringung zu entziehen. Demgegenüber fasst die Biophysik das Gehirn als ein informationsverarbeitendes System auf und versucht unter diesem Gesichtspunkt auch den Geist physikalisch zu verstehen. Ansätze, Ziele, Stand und offene Fragen dieser biophysikalisch orientierten Neuroinformatik werden vorgestellt.
Prof. Dr. Joachim Trümper:
Supernovae und Neutronensterne - Röntgenstrahlen berichten von sterbenden Sternen
Massereiche Sterne ereilt am Ende ihrer nuklearen Entwicklung ein dramatisches Schicksal: Der ausgebrannte Kern kollabiert zu einem Objekt extremer Dichte, einem Neutronenstern. Dabei wird die Hülle in einer gewaltigen Explosion fortgeschleudert. Diese 'Supernovae' sind wegen ihrer grossen Helligkeit bereits im Mittelalter beobachtet worden. Heute werden jährlich Dutzende von Supernovae in fernen Galaxien registriert. Supernovae spielen eine grosse Rolle bei der Evolution von Galaxien, weil durch sie nuklear angebranntes Material ausgeschleudert wird, aus dem sich neue Stern bilden können. Neutronensterne besitzen wegen ihrer hohen Materiedichte von etwa 1 Milliarde Tonnen pro Kubikzentimeter extrem starke Gravitations- und Magnetfelder. Sie treten als Radiopulsare, pulsierende Röntgenquellen und Röntgenburster in Erscheinung. in jüngster Zeit ist es möglich geworden, auch die schwache thermische Röntgenemission von den Oberflächen einzelner Neutronensterne nachzuweisen.
Prof. Dr. Joachim Trümper ist Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und Honorarprofessor an der Universität München.
Prof. Dr. Herbert Walther:
Quantenphänomene einzelner Atome
Die Erkenntnis von Max Planck, dass die Lichtenergie aus diskreten Quanten besteht, wurde im Dezember letzten Jahres hundert Jahre alt. Die Quantennatur des Lichts bzw. allgemeiner der elektromagnetischen Strahlung und die in der Folge entwickelte Quantentheorie hat das Weltbild der Physik zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wesentlich verändert und geprägt. Wir wissen heute, dass die Quantenphänomene des Lichts auch interessante neue technische Anwendungen haben, die nach der Erfindung des Lasers realisierbar geworden sind. Der Schwerpunkt des Vortrages wird sich mit der Diskussion neuer Experimente mit einzelnen Atomen und Photonen befassen, die sehr gut herangezogen werden können, um die manchmal intuitiv schwer erfassbaren Ergebnisse der Quantenphysik zu erklären.
Prof. Dr. Herbert Walther ist Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und Professor an der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Prof. Dr. Klaus Witte:
Erzeugung von MeV-Teilchenjets durch relativistische Laser-Plasma-Wechselwirkung
Vor rund zehn Jahren hat das `Kerr-Lens-Modelocking' und die
`Chirped-Pulse Amplification' einen Durchbruch in der Lasertechnologie
ausgelöst, der die Erzeugung von Femtosekundenpulsen und deren Verstärkung bis
in den Petawattbereich mit Fokalintensitäten von
über 1020 W/cm² ermöglicht hat.
Wird Materie einer solchen Bestrahlung ausgesetzt,
verwandelt sie sich unmittelbar in ein Plasma mit neuen Merkmalen bezüglich
der nun relativistischen Licht-Materie-Wechselwirkung.
Die wichtigsten neuen Phänomene sind:
(i) Die kinetische Energie, die ein Plasmaelektron im Laserfeld aufnimmt,
übersteigt seine Ruheenergie.
Dies geschieht bei Intensitäten >1,4x1018 W/cm².
(ii) Durch selbst-induzierte Transparenz gelingt es dem Laserpuls, in ein an
sich undurchsichtiges Plasma einzudringen.
(iii)
Die relativistische Selbstfokussierung ermöglicht es dem Laserpuls, im Plasma
kollimiert eine
Wegstrecke zurückzulegen, die diejenige im Vakuum um ein Vielfaches übersteigt.
Ferner sorgt die Laser-ponderomotorische Kraft vxB dafür,
dass die Elektronen sich
vorzugsweise in Ausbreitungsrichtung des Lasers bewegen.
Dabei erreichen sie relativistische
Energien weit im MeV-Bereich bei nahezu Lichtgeschwindigkeit.
Über Sekundärprozesse
können dann die Elektronen harte Röntgenstrahlung und Positronen, Neutronen
sowie andere Teilchen erzeugen.
Ionen lassen sich wegen ihrer höheren Masse mit den gegenwärtig verfügbaren
Laserintensitäten von <1021 W/cm² nicht auf Energien beschleunigen,
die gleich ihrer Ruhemasse
sind.
Bei Protonen wäre dafür eine Mindestintensität von 5x1024 W/cm²
erforderlich.
Trotzdem erreichen auch Protonen und schwerere Ionen Energien von bis zu
100 MeV, die
rund 1000 mal über den Werten liegen, die die direkte Beschleunigung im
Laserfeld zulässt.
Die Ursache liegt in Raumladungsfeldern, die die schnellen Elektronen im Plasma induzieren.
Mit dünnen Folien ist es gelungen, gut kollimierte Protonenjets zu erzeugen,
die sich für die
Abbildung dichter Objekte mit Auflösung im Bereich einiger Mikrometer eignen.
Für etwas
schwerere Ionen gibt es ein aussichtsreiches Anwendungspotential als
Anfangsstufe in einem
Beschleuniger und im medizinischen Bereich.
In Clustern führt die Abtrennung der
Elektronen zur Coulombexplosion der zurückbleibenden Ionen, die dadurch hohe
Geschwindigkeiten erreichen.
In Deuterium-Clustern kommt es dabei zur Fusion von
Deuteronen, wobei schnelle Neutronen entstehen.
Prof. Dr. Klaus Witte arbeitet am Max-Planck-Institut für Quantenoptik.
Literatur zum Vortrag: M.Hegelich: Teilchenbeschleunigung mit Lasern, Physik in unserer Zeit, Heft 6 (2002), Seite 252.
Prof. Dr. Wolfgang Zinth:
Proteinfaltung - Auf dem Weg zu einem Verständnis eines lebenswichtigen Vorgangs
Nach der euphorischen Berichterstattung in Zusammenhang mit der Aufklärung des menschlichen Genoms konnte man glauben, dass damit der maßgeschneiderte Mensch in Griffweite liegt. Glücklicherweise ist dies heute noch eine ferne Utopie. Jedoch würde die Aufklärung einzelner Schritte auf dem Weg von der genetischen Information, über die Faltung von Aminosäureketten zu funktionellen Proteinen bis hin zum intakten Organismus von großem Nutzen sein. In diesem Zusammenhang werden neueste Untersuchungen vorgestellt, die zeigen, dass nun erstmalig Proteinfaltung in Modellsystemen ausgelöst, auf der Zeitskala der Molekülbewegung mit schneller Spektroskopie verfolgt und mit modernen Methoden der Molekulardynamik Simulation beschrieben werden kann.
Prof. Dr. Wolfgang Zinth ist Professor an der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Prof. Dr. Wolfgang Zinth:
Die ersten Schritte der Photosynthese - mit ultraschnellen Reaktionen zur optimalen Energiewandlung
Die ersten Energiewandlungsschritte der Photosynthese sind extrem schnell. Erst durch die Kombination von ultrakurzen Lichtimpulsen im Femtosekundenbereich mit Methoden der Hightech Biotechnologie konnten die ersten Reaktionsschritte auf molekularer Ebene aufgeklärt werden: Ultraschnelle Vorgänge laufen hier ab, die mit ihrer rasanten Geschwindigkeit die Grundlage für die hohe Effizienz der Photosynthese legen.
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Die veranstaltenden Institute:
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Fakultät Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München Schellingstr. 4 80799 München Koordinatorin: Susanne Weiss Gesamtleitung: Prof. Dr. Joachim Raedler |
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Max-Planck-Institut für Astrophysik Karl-Schwarzschild-Str. 1 85748 Garching Koordinator: Dr. H.-T. Janka |
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Max-Planck-Institut für
extraterrestrische Physik Giessenbachstr. 85748 Garching Koordinator: Dr. H. Scheingraber |
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Max-Planck-Institut für Physik Föhringer Ring 6 80805 München Koordinator: Dr. M. Altmann Tel. 089 - 32354 - 466 |
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Max-Planck-Institut für Plasmaphysik Boltzmannstr. 2 85748 Garching Koordinatorin: Dr. P. Nieckchen |
| Fragen, Kommentare, Anregungen richten Sie bitte an altmann@mppmu.mpg.de oder an den Koordinator des jeweiligen Instituts. |
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Wissenschaft im Dialog:
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Physik wird heutzutage oft als komplizierte,
unanschauliche, mathematisch verklausulierte Materie abgetan, die sich nur dem
Spezialisten erschließt und ansonsten unverständlich bleibt. Das muss jedoch
keineswegs so sein. |
QQQ-POSTER |
Letzte Aktualisierung: 3.3.2003, M. Altmann